Zühlke, Werner, update 06.03.2026

Fairschach und PaarZugSchach

Beim Normalschach (FIDE-Schach) hat der Spieler Weiß durch das vereinbarte Anzugsrecht einen Vorteil gegenüber Schwarz, weil er mit Tempovorteil mit seinen ersten Figurenzügen maßgeblich die Eröffnungsvariante der Partie bestimmt. Das führt bei annähernd gleichstarken Spielern dazu, dass Weiß das Schachspiel etwa 8 % häufiger gewinnt als Schwarz.

Will man durch Veränderungen gleiche Chancen für beide Spieler erreichen, kann man die Gewinnchancen für Schwarz durch längere Bedenkzeit erhöhen. Man kann auch den Vorteil von Weiß mit einem Bauern weniger verringern. In Schachturnieren erreicht man den Chancenausleich durch Hin- und Rückspiele mit getauschten Farben. Unterschiedliche Anfangsstellungen nach dem Prinzip von CHESS960 mit ausgleichenden Chancen wurden von Robert Fischer /1/ vorgeschlagen. 

In der „Marseiller Variante“ /2/ wird versucht, mit wechselndem Anzugsrecht nach jedem Zugpaar eine Chancengleichheit für die Spieler zu erreichen. Das führte allerdings zu einer neuen Spielweise beim Schach, denn die Spieler machen nach dem Eröffnungszug von Weiß fortlaufend Doppelzüge (zwei schwarze Züge gefolgt von zwei weißen). Diese interessante Schachvariante wurde auch von Weltmeister Aljechin gerne gespielt.

Schachspielen mit gleichzeitigen Zügen

Schachvarianten mit gleichzeitigem Ziehen der Figuren beider Spieler können auch gleiche Spielchancen für beide Spieler herbeiführen, wenn dabei die weiße und die schwarze Figur  gleichzeitig und gleichberechtigt ziehen und wirken. 

Das ist in den meisten Spielsituationen durch gleichzeitige Züge erreichbar.  Es gibt aber auch Zugregeln beim Normalschach, die mit gleichzeitigen Zügen leider nicht gespielt werden können. 

Die Abwehr eines Königsangriffs ist beim Normalschach ein Pflichtzug und dieser soll auch den Vorrang vor allen anderen Zügen und Sonderfällen behalten. Ein en passant schlagbarer Bauer darf nach den vereinbarten Regeln nur im folgenden Figurenzug geschlagen werden und dazu muss dieser Bauer noch auf seinem Feld stehen. Und die gegnerische Figur, die soeben eine Figur des Spielers geschlagen hat, soll hier auch wiederschlagbar sein. Deshalb müssen zwei Figuren in einigen Sonderfällen doch noch nacheinander ziehen.  

(Die Sonderfälle entstehen also nicht erst beim gleichzeitigen Figurenziehen. Sie wurden schon beim Normalschach durch Sonderregelungen bei einigen Zügen geschaffen.)

Die bisher bekannt gewordenen Schachvarianten mit gleichzeitigen Zügen unterscheiden sich in einigen Verfahrensschritten, vor allem aber bei der Behandlung der Sonderfälle. Es gibt Schachvarianten, wie „PSC: Parrow’s Synchronous Chess“ /3/, in den versucht wird, die Ausführung von Sonderfällen dadurch zu umgehen, dass einige Schachzüge vom Normalschach abweichen.  Das en passant Schlagen wird von Parrow nicht mehr zugelassen und eine gegnerische Figur darf bei ihm auch nur geschlagen werden, wenn der Spieler diese mit mehr Figuren angreift als der Gegner zum Wiederschlagen zur Verfügung hat. Eine Figur, die von mindestens zwei gegnerischen Figuren angegriffen wird, gilt dort als eingefroren und darf nicht ziehen. Sie kann dadurch vom Gegner demnächst in einem Paarzug geschlagen werden. Die Figur wird erst wieder aufgetaut, wenn sie nicht mehr von zwei Figuren angegriffen ist, weil eine weggezogen ist oder geschlagen wurde.

Ralf Hansmann, Arnold J. Krasowsky und Andrey Krasowsky: „Synchron Schach -- das gerechte, ausgeglichene Schach“ /4/ lassen beim „Synchronschach“ Zwischenphasen zu, die im Normalschachmodus mit aufeinanderfolgenden Zügen gespielt werden, wenn eine Figur auf ein Feld zieht, dass vom Gegner bedroht ist. In einer derartigen Zwischenhase wird auf diesem Feld wie beim Normalschach geschlagen und auch wiedergeschlagen, bis ein Spieler nicht mehr schlagen will oder nicht mehr schlagen kann. Es können sogar zwei derartige Phasen auf verschiedenen Feldern parallel laufen.

Die deutsche Übersetzung dieser wahrscheinlich ältesten Schachvariante mit gleichzeitigen Zügen wurde erst spät unter Hexenschach gefunden.  (Wer sucht denn auch unter „Hexenschach“ ?)

Fairschach

Die verwendeten Begriffe bei den Schachvarianten sind nicht immer eindeutig. Der Begriff „Zug“ wird beim Normalschach in Deutschland sowohl für den Zug einer Figur als auch für die beiden aufeinanderfolgenden Figurenzüge von Weiß und Schwarz verwendet. Im englischen Sprachgebrauch wird da deutlich zwischen „half move“ und „full move“ unterschieden. 

Beim Fairschach wird das einzelne Wort „Zug“ nur für das Ziehen einer Figur verwendet. Zur exakten Beschreibung und in den Spielregeln werden oft deutliche Ergänzungen hinzugefügt, wie  „Zug eines Spielers“  oder „Figurenzug“ .

Wenn die Figurenzüge beider Spieler zum gleichzeitigen Ziehen zusammengefasst werden, ist das ein „Zugpaar“.  Für das Ziehen des Zugpaars wird der Begriff „Paarzug“ eingeführt.

Werden die beiden Figurenzüge eines Zugpaars nacheinander ausgeführt, sind das zwei „Einzelzüge“.

Wenn zwei gleichfarbige Figuren hintereinander gezogen  werden (Marseiller Variante /2/),  ist das ein „Doppelzug“.

 

Gespielt wird beim Fairschach auf dem auch beim Normalschach üblichem Spielfeld mit den dort verwendeten Figuren und deren Zugrechten, einschließlich der Remis- und Mattregeln.

Die von den Spielern nach individueller Bedenkzeit zur aktuellen Stellung entschiedenen Figurenzüge werden von den Spielern, (vom jeweiligen Gegner nicht einsehbar) mit Angabe von Start- und Zielfeld zwischengespeichert und jeder Spieler stoppt nach seiner Eingabe seine Uhr. Den Gegnern werden die eingegebenen Züge erst dann gleichzeitig angezeigt, wenn beide Spieler ihren Zug nachweisbar gespeichert haben. 

Danach werden die beiden Züge, als Paarzug zusammengefasst, von den Spielern in die Stellung auf dem Schachbrett eingearbeitet und beide Uhren werden gleichzeitig wieder gestartet.

(Das gleichzeitige Auslesen der zu unterschiedlichen Zeiten eingespeicherten Figurenzüge dient der Synchronisierung der beiden Figurenzüge. Sie vereinfacht die gleichzeitige Anzeige und die gemeinsame Einarbeitung dieser Züge und sie hilft bei der exakten Messung der verbrauchten Bedenkzeiten. 

Diese Synchronisierung ist aber nicht das Wesentliche dieser Spiele mit gleichzeitigem Ziehen der Figuren; sie könnte sogar entfallen, wenn beide Spieler zur gleichen Zeit ihren nächsten Zug ansagen. Wesentlicher und neu ist, dass beide Spieler ihre Figuren gleichberechtigt zur gleichen Stellung ziehen und kein Spieler mehr benachteiligt ist durch die Wahl der Ziehungsreihenfolge. Wichtig ist auch, dass kein Spieler den Zug des anderen schon kennt, wenn er seinen endscheiden muss. 

Die Synchronisierung wird aber in mehreren veröffentlichten Schachvarianten zur Namensfindung genutzt. Das führte zu Namen, wie „Synchronschach“, „Synchron Schach“, „Synchrones Schach“ und auch zu „Synchronous Chess“ und „SyncChess“. 

Die beiden Figuren starten bei der Einarbeitung in die aktuelle Spielstellung gleichzeitig von ihren Startfeldern und beide Figuren beenden ihren Zug auch gleichzeitig auf ihren angegebenen Zielfeldern. Gegenseitige Behinderungen der beiden Figuren auf ihren Wegen sind wirkungslos. Wenn der Zug eines Spielers nicht ausführbar ist (fehlerhaft eingespeichert oder nicht eindeutig lesbar oder das Zielfeld für einen Königszug ist von einer nicht erst jetzt gezogenen Figur mit Schach bedroht), wird nur der Zug des Gegners ausgeführt (oder die Partie wird für ihn als verloren gewertet).

Ist für beide Figuren dasselbe Zielfeld angegeben, schlägt die stärkere Figur die schwächere oder sie schlagen sich dort gegenseitig oder die schwächere Figur verzichtet auf ihren Zug; je nach vereinbarter Regelung). Die hier geltende Stärkeskala ist: Dame, Turm, Leichtfiguren, Bauer. Die Leichtfiguren (Läufer und Springer) gelten als gleichstark, um Streitfälle zu vermeiden. Ein König darf nur mit einem geradeausziehenden Bauern auf dasselbe Zielfeld ziehen und er schlägt dort den Bauern.

Zieht eine Figur auf ein Zielfeld, auf dem eine gegnerische Figur steht, wird diese Figur geschlagen. Ist aber das Zielfeld der angreifenden Figur auch das Startfeld der angegriffenen Figur, ist diese nicht mehr da, wenn die angreifende Figur dort ankommt. Die weggezogene Figur kann nicht mehr geschlagen werden. Beide Figuren beenden ihre Züge auf ihren Zielfeldern.

Wollen sich beide Figuren in einem Paarzug gegenseitig schlagen (das Zielfeld jeder Figur ist auch das Startfeld der anderen Figur), tauschen sie nur ihre Plätze. 

Zur Behandlung der Sonderfälle wurde beim Fairschach zunächst der Einsatz vonzweiEinzelzügen und einer Zugpausenregelung  und später einer zusätzlichen Erstzugregelung getestet. Alle drei Varianten können grundsätzlich dafür sorgen, dass dem mit Schach bedrohtem Spieler die notwendige Zeit gegeben wird, diese Drohung abzuwehren, oder dass die Figur, die soeben geschlagen hat oder en passant schlagbar ist,beim nächsten Zug des Spielers noch auf ihrem Feld steht und von ihm geschlagen werden kann. 

Die durchgeführten Tests zeigten, dass auch damit  einige Probleme auftreten und sie nicht gleichwertig sind. 

Testauswertung 

Die ersten Versuche mit gleichzeitigem Ziehen der Figuren wurden 2016 mit dem Schachfreund Rainer Otto aus Elgersburg gestartet. Die Testspiele mit entworfenen Spielregeln wurden dann ab 2018 im Fernschachmodus mit den ehemaligen Schulkameraden, dem internationalen Fernschachmeister Hagen Tiemann aus Templin, und Dr. Ulrich Block aus Friedelsheim durchgeführt. Dabei fungierte ich als Spielbetreuer, der die Züge zur jeweiligen Spielstellung durch Emails von beiden Spielern geliefert bekam. Nach Eingang beider Züge (ohne fest vereinbarter Bedenkzeit) wurden diese in die Spielstellung eingearbeitet und die Spieler wurden mit zeitgleichen Emails über die eingegangenen Züge und die neue Spielstellung informiert. 

Diese Spielweise bietet sich an, solange Testerfahrungen gesammelt werden und über Auslegungen und sinnvolle Änderungen der Spielregeln diskutiert wird.

Für die mit Rainer, Hagen und Ulli geführten Diskussionen der Spielregeln und für die durchgeführten Tests danke ich ihnen herzlich.  Leider sind sie inzwischen schon verstorben. 

Die Spielweise mit Paarzügen war in normalen Spielsituationen hinreichend einfach und bereitete keine Probleme. Zu der  vorgesehenen Sonderfallregelung mit zwei Einzelzügen oder einem kurzen Ziehverbot und dem nachträglich noch eingeführtem Paarzug mit  einem Erstzugrecht gab es bei den Tests folgende Erkenntnisse. 

 Zieht man im Sonderfall statt eines Paarzugs zwei Einzelzügemacht zunächstder zuerst ziehende Spieler praktisch einen Doppelzug, den er nur normal nutzen kann. Sein erster Figurenzug vom Doppelzug wurde bereits im vorhergehenden Paarzug gezogen und der zweite wird als Einzelzug zur Abwehr der Schachdrohung oder zum Wiederschlagen gebraucht.  Sein Gegner aber kann seinen frei nutzbaren Einzelzug manchmal so planen, dass sein Zug im nachfolgenden Paarzug gefährlich nutzbar wird, wie Testspiele zeigten.  Vor zugelassener Schachdrohung in komplizierter Stellung sollte man darauf achten. 

In den Sonderfällen zu Schlagzügen (ohne Schachgebot) ist der Einsatz eines Erstzugrechts im Paarzug für den wiederschlagenden Spieler weniger gefährlich, weil der Gegner sich nicht sicher sein kann, wie und ob seine Figur geschlagen wird. Er muss sich darauf einstellen, dass es ein Erstzugrecht und keine  Erstzugpflicht (wie bei Einzelzügen) ist.

Tests mit kurzzeitigem Ziehverbot wurden nur wenige gemacht, weil es ungewohnt und schachfremd wirkte, und eine schachbietende Figur oder ein König wurden nie mit einem Ziehverbot belegt. Als wichtigste Figur soll der König nicht dermaßen eingeschränkt werden. 

(Außerdem lassen sich manche Majestäten sowieso nichts verbieten. Ein chinesischer Kaiser hat sich einst beschwert, dass er sich auf dem Schachbrett von einfachen Mandarins (Beamte) behindern, bedrohen und herumschieben lassen soll.  Seitdem heißt diese Figur im chinesischen Schachspiel nicht mehr Kaiser sondern nur noch General.)

Erst bei der nun  dritten Überarbeitung wurde erkannt, dass beim gleichzeitigen Ziehen mehr Züge möglich sind als beim Normalschach (mit aufeinanderfolgendem Ziehen) erlaubt sind.

Mit der Spielstellung (Kc2, Dd1, Bb4, Bc3 für Weiß und Kh5, Dd8, Lg4, Bg4, Bh6 für Schwarz), haben beim Spiel mit gleichzeitigem Ziehen beide Spieler noch Aussichten, das Spiel zu gewinnen. Wenn Schwarz aber den Damentausch mit De8-Dxd1+ oder Dd8-Dd2+ versuchen sollte,  kann Weiß ihn mit einem „frechen Zug“  sofort besiegen. 

(Wer diesen nicht findet, kann mich mit einer Email befragen. Ich beantworte die ersten zehn Anfragen persönlich. Danach werde ich den Zug hier im Text ergänzen.)

Spielen mit Paarzügen

Für die Zwischenspeicherung reichen für Training, Freundschaftsspiele und kleinere Turniere die Partieformulare der Spieler aus. Jeder Spieler trägt seinen vorgesehenen Zug eindeutig lesbar in sein Partieformular ein und legt es verdeckt auf den Tisch. Danach stoppt er seine Uhr. Für anspruchsvolle Turniere wird eine zeitgemäße elektronische Speicherung mit zwei verdeckten einfachen Eingabetastaturen empfohlen, die die Zwischenspeicherung, die anschließende gleichzeitige Anzeige beider Züge, die regelgerechte Einarbeitung und die Anzeige der neuen Stellung für die Spieler (und für die Zuschauer) übernimmt. Außerdem soll sie die verbrauchten Bedenkzeiten messen, die relevanten Daten anzeigen und die Schachpartie protokollieren. 

Die beiden Figuren eines Paarzugs beginnen bei der Einarbeitung der Züge in die Spielstellung, wenn kein Sonderfall vorliegt, gleichzeitig von ihren Startfeldern zu ziehen und beide Figuren erreichen danach auch gleichzeitig ihre angegebenen Zielfelder. 

Wollen sich beide Figuren in einem Paarzug gegenseitig schlagen (das Zielfeld jeder Figur ist auch das Startfeld der anderen Figur), tauschen sie nur ihre Plätze.

Die Notation der Paarzüge erfolgt auf dem beim Normalschach üblichen Partieformular zweckmäßigerweise mit Angabe von Zugnummer, Startfeld und Zielfeld mit den üblichen Zusatzzeichen. Bei der Notation der Paarzüge wird standardmäßig der weiße Zug vor dem schwarzen notiert. Wenn in einem Paarzug der schwarze König mit Schach bedroht ist und im nächsten Paarzug Schwarz zuerst ziehen muss, wird in der Zeile des Spielprotokoll statt des (erwarteten) weißen Zugs ein Strich gezogen und der schwarze Zug wird eingetragen. In den darauffolgenden Paarzügen steht dann wieder ganz normal ein weißer Zug vor dem schwarzen im Spielprotokoll.

Für Fernschach mit einfacher Codierung für die elektronische Zugübertragung bietet sich ein reiner Oktalcode sowohl für die Start- und Zielfelder als auch für die Figuren und die zusätzlichen Kennzeichen an.

PaarZugSchach

Aus den bisherigen Untersuchungen wird nun eine einfache Spielvariante des Fairschachs abgeleitet, für die hier zur eindeutigen Kennzeichnung  der Name „PaarZugSchach“ (Kurzform: PZS) eingeführt wird. 

Diese Spielvariante arbeitet mit Paarzügen, die in Sonderfällen durch ein freiwillig   nutzbares Erstzugrecht für den Spieler ergänzt wird, der einen Bauern en passant schlagen oder eine Figur wiederschlagen darf, die soeben eine seiner Figuren geschlagen hat. 

Jeder Spieler darf seinen Zug noch ändern, solange er seine Uhr noch nicht gestoppt hat. Ist sein festgelegter Zug aber nicht eindeutig lesbar oder nicht ausführbar, wird nur der Zug des Gegners ausgeführt 

Wenn ein König mit Schach bedroht ist, werden die geplanten Züge beider Spieler auch beim Paarzug mit Erstzugrecht vorher eingespeichert. Der Gegner erfährt den Zug des angegriffenen Spielers, wenn dieser zieht und er zieht dann seinen vorher festgelegten Zug, wenn er dann noch ausführbar ist.

Wenn einem Spieler eine gedeckte Figur geschlagen oder ein Bauer en passant schlagbar angeboten wurde, darf er zum Schlagen der Figur im folgenden Paarzug auch ein Erstzugrecht in Anspruch nehmen. Hat er aber einen anderen Zug eingegeben, entfällt das Erstzugrecht. 

Steht nach dem Zug eines Spielers mit Erstzugrecht der König des Gegners im Schach und kann der bereits eingegebene Zug des Gegners diese Königsbedrohung nicht abwehren, darf er seinen Zug ändern.

Diese recht einfache Schachvariante mit vorwiegend gleichzeitigen Zügen ist gerecht aber schon schwer zu spielen. Jeder Spieler muss seinen Zug entscheiden, ohne den zugehörigen Zug des Gegners zu kennen. Beide Spieler wissen nicht sicher, ob die gegnerische Figur, die mit ihrem Zug im normalen Paarzug ohne Erstzugrecht geschlagen werden soll, noch auf ihrem Platz stehen wird, wenn ihre Figur dort ankommt. Sie wissen auch nicht, ob das Feld, auf das ihre Figur zieht, durch die gegnerische Figur auch besetzt oder ihre Figur dort nun zusätzlich angegriffen wird. Spiele mit gleichzeitigen Figurenziehen ist ein Spiel mit unvollständiger Information (Bayes-Theorie). 

(Gleichzeitige Aktionen mit unvollständiger Information sind auch eine realistischere Nachbildung militärischer Operationen durch dieses strategische Kampfspiel. Kriegerische Aktionen laufen auch oft gleichzeitig ab und die Entscheidungen müssen auch ohne vollständige Informationen über bevorstehende Aktionen des Gegners gefällt werden. Der Verteidiger reagiert auch nicht immer erst nach einem Angriff des Gegners.)

Die zusätzlichen Spielprobleme sind für beide Spieler gleich schwierig. Das ist gewollt und gerecht. Es bietet beiden Spielern neue Herausforderungen. Die existierende Eröffnungstheorie vom Normalschach ist nur noch begrenzt anwendbar und es wird von Anfang an viel kreatives Denken gefordert. Es sind auch viele überraschende Züge zu erwarten und die Anzahl der remis endenden Partien wird mindestens abnehmen. 

Dass das Spielen schwerer wird, ist starken Spielern durchaus recht; denn Normalschach ist schon weitgehend analysiert und starken Spielern soweit bekannt, dass die Eröffnungsphase beim Normalschach sehr auf hohe Theoriekenntnisse und Gedächtnisleistung beruht und kreatives Spielen erst später zum Tragen kommt. 

Deshalb ist das Spiel mit gleichzeitigen Zügen eine zeitgemäße und sinnvolle Ergänzung der schon existierenden Schachvarianten. Man kann damit rechnen, dass sich nach ausgiebiger Erprobung, Kompromissfindung und Optimierung, eine sinnvolle Spielvariante durchsetzen wird.

Die Entwicklung dieser Spielvariante muss mit diesem Bericht noch nicht abgeschlossen sein, zumal die Regeln in der Einführungsphase schon oft  geändert und vereinfacht wurden. Sie sind auch jetzt noch nicht „in Stein gemeißelt“. Sie sind als Vorschlag und Diskussionsgrundlage zu betrachten und sie können auch, wenn gewünscht, später noch schwieriger gestaltet werden. (Für Diskussionen und zweckdienliche Hinweise steht meine Emailadresse im Impressum.)

Für die Hilfe bei der Arbeit zur Veröffentlichung mit den häufigen Korrekturen und Ergänzungen im Internet bedanke ich mich bei meinem Sohn Uwe aus Ilmenau, der auch weiterhin die Diskussionen übers Internet unterstützen wird.

Schlussbemerkung

Das Ziel, mit gleichzeitigen Zügen den Nachteil von Schwarz beim Normalschach zu beheben, ist nach der Eröffnungsphase der Partie schon weitgehend erreicht. Da aber die Probleme beim Spielen der Sonderfälle insbesondere in Endspielen durch die Zunahme der Schachgebote zunehmen, wird den Einsteigern beim Spielen dieser Schachvariante empfohlen, wenn sie eine Erholung nötig haben oder wenn nur noch wenige Figuren auf dem Schachbrett stehen, beim nächsten Schachgebot auf Normalschach umzuschalten und die Partie in dieser leichteren Form zu Ende zu spielen. 

Ich wünsche allen interessierten Schachfreunden viel Spaß bei Versuchen mit dieser fairen und interessanten Spielweise.

 

 

Spielregel 1 – 8   zum PaarZugSchach 

PZSR 1:  Die Schachvariante PaarZugSchach wird auf dem beim Normalschach üblichen Spielfeld mit den dort verwendeten Figuren und deren Zugrechten gespielt. Die Figuren beider Spieler werden in normalen Spielsituationen gleichzeitig gezogen und sie wirken gleichberechtigt. In Sonderfällen werden Paarzüge mit Erstzugrecht für den mit Schach bedrohten oder wiederschlagenden oder en passant schlagenden Spieler gespielt. Hat der Spieler einen anderen Figurenzug zwischengespeichert, entfällt das Erstzugrecht und beide Figuren werden gleichzeitig gezogen.

 PZSR 2:  Jeder Spieler gibt seinen vorgesehenen Figurenzug zur aktuellen Spielstellung mit Angabe von Startfeld und Zielfeld in den ihm zugeordneten Zwischenspeicher ein und stoppt danach seine Uhr. Wenn beide Uhren gestoppt sind, werden beide Figurenzüge aus den Zwischenspeichern ausgelesen, beiden Spielern gleichzeitig angezeigt und als Paarzug von den Spielern gemeinsam in die Stellung auf dem Schachbrett eingearbeitet.

Die beiden Figuren starten dabei gleichzeitig von ihren Startfeldern und sie gelangen danach auch gleichzeitig und gleichberechtigt wirkend auf ihre Zielfelder. Wenn der Figurenzug eines Spielers nicht eindeutig lesbar oder nicht ausführbar ist, wird nur der Zug des anderen Spielers ausgeführt.

PZSR  3: Steht auf einem Zielfeld bereits eine gegnerische Figur, wird diese geschlagen.

PZSR 4:  Ziehen in einem Paarzug zwei unterschiedlich starke Figuren auf dasselbe Zielfeld, schlägt die stärkere Figur die schwächere. Ziehen  zwei gleichstarke Figuren auf dasselbe Zielfeld, schlagen sie sich gegenseitig.  

Die hier geltende abnehmende Stärkeskala der Figuren ist: Dame, Turm, Leichtfigur, König, Bauer. Ein König kann nur mit einem geradeausziehenden Bauern des Gegners auf dasselbe Zielfeld ziehen und schlägt dort den Bauern. Die Leichtfiguren Läufer und Springer gelten hier als gleichstark.

PZSR 5:  Ist der König eines Spielers mit einem Schachgebot bedroht, geben beide Spieler ihre vorgesehenen Figurenzüge in ihre Zwischenspeicher ein. Bei der Einarbeitung des Paarzuges wird dem mit Schach bedrohten Spieler zur Abwehr des Angriffs ein Erstzugrecht eingeräumt. Danach wird auch der Zug des Gegners ausgeführt. Ist der gespeicherte Figurenzug des Gegners nicht mehr ausführbar, darf er (bei laufender Uhr) einen anderen Zug wählen.

PZSR 6: Steht nach einem Paarzug ein König im Schach, wird mit einem weiteren Paarzug mit Erstzugrecht für den bedrohten Spieler weiter gespielt. 

PZSR 7:  Nach der Einarbeitung des Paarzugs startet jeder Spieler die Uhr des Gegners erneut. 

PZSR 8: Es gelten  die Sieg- und Remisregeln vom Normalschach. Zusätzlich endet die Partie remis, wenn beide Könige in einem Paarzug auf benachbarte Felder ziehen.

(Stand:  1.3.2026 - Zü)

 

Literatur:

/1/ https://www.google.com/search?q=CHESS960

/2/ https://www.schach-bremen.de/varianten/marseille.hmtl   

/3/ PSC: Parrow‘s Synchronous Chess

/4/ http://www.hexenspiel.de/synchronschach/   

 

 


 

 

Impressum

Verantwortlich:

Dipl. Ing. Uwe Zühlke

Schöne Aussicht 9

98693 Ilmenau

u.zuehlke@gmx.de

 

Kontakt:

Prof. Dr. Werner Zühlke

Auf der Heide 4
99331 Geratal

werner.zuehlke@gmx.de

 

 

 

 

 

 

 

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