Zühlke, Werner                                                                                              

Fairschach und PaarZugSchach 

Beim Normalschach (FIDE-Schach) hat der Spieler Weiß durch das vereinbarte Anzugsrecht einen Vorteil gegenüber Schwarz, weil er mit seinen ersten Figurenzügen maßgeblich die Eröffnungsvariante der Partie bestimmt und den Tempovorteil auch im weiteren Spiel behält. Das führt bei annähernd gleichstarken Spielern dazu, dass Weiß das Schachspiel etwa 8 % häufiger gewinnt als Schwarz. 

Will man durch Veränderungen gleiche Chancen für beide Spieler erreichen, kann man die Gewinnchancen für Schwarz durch längere Bedenkzeit erhöhen. Man kann auch den Vorteil von Weiß mit einem Bauern weniger verringern. In Schachturnieren erreicht man den Chancenausleich durch Hin- und Rückspiele mit getauschten Farben. Unterschiedliche Anfangsstellungen nach dem Prinzip von CHESS960 mit ausgleichenden Chancen wurden von Robert Fischer /1/ vorgeschlagen. In  der „Marseiller Variante“ /2/ wird versucht, mit wechselndem Anzugsrecht nach jedem Zugpaar eine Chancengleichheit für die Spieler zu erreichen. Das führt allerdings zu einer neuen Spielweise beim Schach, denn die Spieler machen nach dem Eröffnungszug von Weiß fortlaufend Doppelzüge (zwei schwarze Züge gefolgt von zwei weißen). Diese interessante Schachvariante wurde auch von Weltmeister Aljechin gerne gespielt.

Schachvarianten mit gleichzeitigem Ziehen der Figuren beider Spieler können auch gleiche Spielchancen für beide Spieler herbeiführen, wenn dabei beide Figuren gleichberechtigt ziehen und wirken. Das ist in normalen Spielsituationen erreichbar. 

Es gibt beim Normalschach auch Zugregeln, die mit gleichzeitigen Zügen leider nicht gespielt werden können. Die Abwehr eines Königsangriffs ist beim Normalschach ein Pflichtzug und dieser muss den Vorrang vor allen anderen Zügen und Sonderfällen behalten. Ein en passant schlagbarer Bauer darf nach den vereinbarten Regeln der FIDE nur im folgenden Figurenzug geschlagen werden und dazu muss dieser Bauer noch auf seinem Feld stehen. Und jene gegnerische Figur, die soeben eine Figur des Spielers geschlagen hat, sollte wie beim Normalschach auch wiederschlagbar sein. Deshalb müssen zwei Figuren manchmal doch nacheinander ziehen. 

(Die Sonderfälle entstehen also nicht erst beim Fairschach. Sie wurden schon beim Normalschach durch Ausnahmeregelungen bei einigen Figurenzügen geschaffen.)

Die bisher bekannt gewordenen Schachvarianten mit gleichzeitigen Zügen unterscheiden sich in einigen Verfahrensschritten, vor allem aber bei der Behandlung solcher Sonderfälle. Es gibt auch Schachvarianten, wie „PSC: Parrow‘s Synchronous Chess“ /3/, wo versucht wird, die Ausführung von Sonderfällen dadurch zu umgehen, dass einige Schachzüge vom Normalschach abweichen. Das en passant Schlagen wird von Parrow nicht zugelassen. Eine gegnerische Figur darf bei ihm auch nur geschlagen werden, wenn der Spieler diese mit mehr Figuren angreift als der Gegner zum Wiederschlagen zur Verfügung hat. Eine Figur, die von mindestens zwei gegnerischen Figuren angegriffen wird, gilt dort als eingefroren und darf nicht ziehen. Sie kann dadurch vom Gegner demnächst in einem üblichen Paarzug geschlagen werden. Die Figur wird erst wieder aufgetaut, wenn sie nicht mehr von zwei Figuren angegriffen ist, weil eine  weggezogen ist oder geschlagen wurde. 

Hansmann u.a. /4/ lassen beim „Synchron Schach“ Zwischenphasen zu, die im Normalschachmodus mit aufeinanderfolgenden Zügen gespielt werden, wenn eine Figur auf ein Feld zieht, dass vom Gegner bedroht ist. In solcher Zwischenhase wird auf diesem Feld normal geschlagen und auch wiedergeschlagen, bis ein Spieler nicht mehr schlagen will oder nicht mehr schlagen kann. Es können sogar zwei derartige Phasen auf verschiedenen Feldern parallel laufen. 

Eindeutige Begriffe zum Fairschach:

Die verwendeten Begriffe bei den Schachvarianten sind vielfältig und nicht immer gleichbedeutend. 

Der Begriff „Zug“ wird im Normalschach in Deutschland sowohl für den Zug einer Figur als auch für die beiden zusammengehörigen Figurenzüge verwendet. Im englischen Sprachgebrauch wird da deutlich zwischen „half move“ und „full move“ unterschieden. 

Zur eindeutigen Unterscheidung wird hier für das Ziehen einer Figur der Begriff „Zug“ oder „Figurenzug“ verwendet. 

Die beiden verschiedenfarbigen zusammengefassten Züge beim Schach werden hier als „Zugpaar“ bezeichnet. 

Wird ein Zugpaar gleichzeitig gezogen, wird dieses als „Paarzug“ bezeichnet. 

 

Fairschach

Beim Fairschach wurden zur Behandlung der Sonderfälle der Einsatz zweier Einzelzüge, eine Erstzugregelung und auch eine Zugpausenregelung  getestet. Alle drei Varianten können grundsätzlich dafür sorgen, dass dem mit Schach bedrohtem Spieler die notwendige Zeit gegeben wird, diese Drohung abzuwehren, oder dass die Figur, die soeben geschlagen hat oder en passant schlagbar ist, beim nächsten Zug des Spielers noch auf ihrem Feld steht und von ihm geschlagen werden kann. Aber durchgeführte Testspiele ergaben auch, dass sie nicht gleichwertig sind. 

Ersetzt man einen Paarzug durch zwei Einzelzüge, macht zunächst der zuerst ziehende Spieler praktisch einen Doppelzug (zwei gleichfarbige Figurenzüge hintereinander), den er aber nicht gefährlich ausnutzen kann. Sein erster Figurenzug wurde bereits im vorhergehenden Paarzug gezogen und der zweite wird z.B. zur Abwehr der Schachdrohung gebraucht. Sein Gegner aber kann seinen frei nutzbaren Einzelzug so planen, dass der folgende Zug seines Doppelzugs gefährlich nutzbar wird, wie Testspiele zeigten. 

Wird stattdessen ein üblicher Paarzug gespielt, der ergänzt ist mit einem Erstzugrecht für den Spieler zur Abwehr des Schachgebots bzw. zum Schlagen, dann kennt der Gegner den Zug des Spielers nicht genau, wenn er sich entscheiden muss. Der Spieler könnte auch das geplante Schachgebot vorausahnen und vorzeitig umgehen oder das unterstützte Schlagen unterlassen und einen anderen Zug wählen. Dann entfällt das Erstzugrecht und es bleibt nur ein reiner Paarzug übrig. 

Bei Schlagzügen ist die Gefahr mit zwei Einzelzügen nicht so groß, wenn man zusätzlich vereinbart, das der Spieler sich aussuchen darf, ob er die Sonderregelung annehmen will oder lieber mit einen normalen Paarzug weiter spielen will.

Tests mit kurzzeitigem Ziehverbot wurden nur wenige gemacht, weil es ungewohnt und schachfremd wirkte, und eine schachbietende Figur oder ein König wurden nie mit einem Ziehverbot belegt. Als wichtigste Figur soll der König nicht dermaßen eingeschränkt werden. 

(Außerdem lassen sich manche Majestäten sowieso nichts verbieten. Ein chinesischer Kaiser hat sich einst beschwert, dass er sich auf dem Schachbrett von einfachen Mandarins (Beamte) behindern, bedrohen und herumschieben lassen soll. Seitdem heißt diese Figur im chinesischen Schachspiel nicht mehr Kaiser sondern nur noch General.)

 

Spielen mit Paarzügen    

Gespielt wird beim Fairschach und ähnlichen Schachvarianten auf dem beim FIDE-Schach üblichem Spielfeld mit den dort verwendeten Figuren und deren Zugrechten, einschließlich der Remis- und Mattregeln. Die Turnier- und Spielbedingungen werden übernommen.

Der vom Spieler nach individueller Bedenkzeit zur aktuellen Stellung entschiedene Figurenzug wird zunächst, vom Gegner nicht einsehbar, nachweisbar zwischengespeichert und der Spieler stoppt danach seine Uhr. Den Gegnern (und dem Publikum) werden die Züge erst dann gleichzeitig angezeigt, wenn beide Spieler ihren Zug festgelegt haben. Danach werden die beiden Züge als Paarzug von den Spielern in die Stellung auf dem Schachbrett eingearbeitet  und beide Uhren werden gleichzeitig wieder gestartet. 

Die Figuren beider Spieler starten bei der Einarbeitung gleichzeitig von ihren Startfeldern und beide Figuren beenden ihren Zug danach auch gleichzeitig auf ihren angegebenen Zielfeldern. Gegenseitige Behinderungen der beiden Figuren auf ihren Wegen sind wirkungslos. Wenn der Zug eines Spielers nicht ausführbar ist (fehlerhaft eingespeichert oder nicht eindeutig lesbar oder das Zielfeld für einen Königszug ist von einer nicht jetzt gezogenen Figur mit Schach bedroht), wird nur der Zug des Gegners ausgeführt. 

Ist für beide Figuren dasselbe Zielfeld angegeben, schlagen sie sich dort gegenseitig oder die stärkere Figur schlägt die schwächere oder die schwächere Figur verzichtet auf ihren Zug; je nach vereinbarter Regelung. (Die hier geltende Stärkeskala ist: Dame, Turm, Leichtfiguren, Bauer. Die Leichtfiguren (Läufer und Springer) gelten als gleichstark, um Streitfälle zu vermeiden. 

Ein König darf nur mit einem geradeausziehenden Bauern auf dasselbe Zielfeld ziehen und er schlägt dort den Bauern.

Zieht eine Figur auf ein Zielfeld, auf dem eine gegnerische Figur steht, wird diese Figur geschlagen.  Ist aber das Zielfeld der angreifenden Figur auch das Startfeld der angegriffenen Figur, ist diese nicht mehr da, wenn die angreifende Figur dort ankommt. Die weggezogene Figur kann nicht mehr geschlagen werden. Die beiden Figuren beenden ihre Züge auf ihren Zielfeldern.

Wollen sich beide Figuren in einem Paarzug gegenseitig schlagen (das Zielfeld jeder Figur ist das Startfeld der anderen Figur), tauschen sie nur ihre Plätze.

Das gleichzeitige Auslesen der zu unterschiedlichen Zeiten eingespeicherten Figurenzüge dient der Synchronisierung der beiden Züge. Sie vereinfacht die gleichzeitige Anzeige und die gemeinsame Einarbeitung der Züge und sie hilft bei der exakten Messung der verbrauchten Bedenkzeiten. Diese Synchronisierung ist nicht das Wesentliche dieser Spiele. Sie könnte sogar wegfallen, wenn beide Spieler zur gleichen Zeit ihren nächsten Zug ansagen. Wesentlicher und neu ist, dass beide Spieler gleichberechtigt zur gleichen Stellung ziehen und kein Spieler mehr benachteiligt ist durch die Ziehungsreihenfolge bei der Partieeröffnung und dem Tempoverlust durch die Farbenwahl. Und besonders ist beim gleichzeitigen Ziehen, dass kein Spieler den Zug des anderen Spielers kennt, wenn er seinen endscheiden muss. 

Die Synchronisierung wird aber in mehreren Schachvarianten zur Namensfindung genutzt. Das führte zu Namen, wie „Synchronschach“, „Synchron Schach“, „Synchrones Schach“ und dann noch zu „Synchronous Chess“ und  SyncChess“, die englisch im Internet erschienen. 

Erst spät wurde mir die deutsche Übersetzung der wahrscheinlich ältesten Schachvariante mit gleichzeitigen Zügen von Ralf Hansmann, Arnold J. Krasowsky und Andrey Krasowsky: Synchron Schach - Das gerechte, ausgeglichene Schach /2/ unter Hexenschach bekannt.  (Wer sucht denn auch unter „Hexenschach“ ??)

Für die bisher beschriebene Spielregelung wird seit 2018 der Begriff  „Fairschach“  verwendet, weil das gleichzeitige Ziehen der Figuren beiden Spielern ein faires Spiel mit gleichen Gewinnchancen bietet und der Charakter des Schachspiels weitgehend erhalten bleibt. Er entspricht auch dem englischen Begriff „Fairchess“, der im Ausland für einige Schachvarianten benutzt wird. 

 

PaarZugSchach – die einfachste Fairschachvariante 

Für die Zwischenspeicherung reichen für Training, Freundschaftsspiele und kleinere Turniere die Partieformulare der Spieler aus. Jeder Spieler trägt seinen vorgesehenen Zug eindeutig lesbar in sein Partieformular ein und legt es verdeckt auf den Tisch. Danach  stoppt er seine Uhr. Für anspruchsvolle Turniere wird eine zeitgemäße elektronische Speicherung mit zwei verdeckten einfachen Eingabetastaturen empfohlen, die die Zwischenspeicherung, die spätere gleichzeitige Anzeige beider Züge, die regelgerechte Einarbeitung der Züge und die Anzeige der neuen Stellung für die Spieler (und für das Publikum) übernimmt.  Außerdem soll sie die verbrauchten Bedenkzeiten messen, die relevanten Daten anzeigen und die Schachpartie protokollieren.

Die beiden Figuren eines Paarzugs beginnen bei der Einarbeitung der Züge in die Spielstellung grundsätzlich gleichzeitig von ihren Startfeldern zu ziehen und beide Figuren erreichen danach auch wieder gleichzeitig ihre angegebenen Zielfelder. Ist das Zielfeld einer Figur durch eine gegnerische Figur bereits besetzt, wird diese Figur geschlagen. Ist das Zielfeld einer Figur auch das Startfeld der gegnerischen Figur des Paarzugs, weil diese ebenfalls zieht, ist sie gar nicht mehr da, wenn die angreifende Figur dort ankommt. Die wegziehende Figur kann nicht geschlagen werden. Wollen sich beide Figuren eines Paarzugs gegenseitig schlagen (das Zielfeld jeder Figur ist dabei auch das Startfeld der anderen Figur), tauschen sie praktisch nur ihre Plätze. 

Ist für beide Figuren eines Paarzugs dasselbe Zielfeld angegeben, schlägt die stärkere Figur die schwächere auf diesem Zielfeld. Sind beide Figuren gleichstark, schlagen sie sich gegenseitig. (Die Leichtfiguren Springer und Läufer gelten hier als gleichstark, um Streitfälle zu vermeiden.) Da ein König nicht auf ein bedrohtes Feld ziehen darf, kann er im Paarzug nur mit einem Bauern auf dasselbe Zielfeld gelangen und den Bauern dort schlagen.

Die Notation der Züge wird vorläufig zweckmäßigerweise in ausführlicher Form mit Angabe von Zugnummer, Figur, Startfeld und Zielfeld mit den üblichen Zusatzzeichen ausgeführt. Bei der Notation der Paarzüge wird, wie üblich, der weiße Zug vor dem schwarzen notiert. Wenn in einem Paarzug der schwarze König mit Schach bedroht ist und im nächsten Paarzug Schwarz zuerst ziehen muss, wird in diesem Paarzug statt des erwarteten weißen Zugs ein Strich gezogen und nur der schwarze Figurenzug wird ausführlich notiert. In den darauffolgenden Paarzügen steht dann wieder ganz normal ein weißer Zug vor dem schwarzen im Spielprotokoll.

Für Fernschach mit einfacher Kodierung für die elektronische Zugübertragung bietet sich ein reiner Oktalcode sowohl für die Start- und Zielfelder als auch für die Figuren und die zusätzlichen Kennzeichen an.

 

Für die nun beschriebene einfachste Spielvariante des Fairschachs wird zur eindeutigen Unterscheidung nun der Begriff  PaarZugSchach  (Kurzform: PZSeingeführt.

 

Spielregeln beim PaarZugSchach

Jeder Spieler darf seinen Zug noch ändern, solange er seine Uhr noch nicht gestoppt hat. Ist sein festgelegter Zug aber nicht eindeutig lesbar oder nicht ausführbar, wird nur der Zug des Gegners ausgeführt (oder die Partie wird für ihn als verloren gewertet).

Die Notation sollte ähnlich sein wie beim Normalschach (beide Züge in einer Zeile, der weiße Zug zuerst), um die gewohnte Lesart beizubehalten. Für Sonderfälle und deren Lösung werden Kennzeichen hinzugefügt. 

Für Fernschach mit einfacher Kodierung für die elektronische Zugübertragung bietet sich ein reiner Oktalcode sowohl für die Start- und Zielfelder als auch für die Figuren und die zusätzlichen Kennzeichen an.

Wenn der König eines Spielers schachbedroht ist, erhält der Spieler im folgenden Paarzug ein Erstzugrecht, um die Drohung abzuwehren. Wenn ihm eine gedeckte Figur geschlagen wurde oder ein Bauer en passant-schlagbar angeboten wurde, darf der Spieler zum Schlagen der Figur im folgenden Paarzug ein Erstzugrecht in Anspruch nehmen. Hat er einen anderen Zug eingegeben, entfällt das Erstzugrecht. 

Steht nach dem Zug eines Spielers mit Erstzugrecht der König des Gegners im Schach und kann der bereits eingegebene Zug des Gegners diese Königsbedrohung nicht abwehren, darf dieser Zug geändert werden.

Zieht ein Spieler in einem Paarzug eine Figur ungedeckt auf ein vom Gegner schlagbares Feld („frecher“ Zug), wird dem Gegner im nächsten Paarzug ein Erstzugrecht zum Schlagen dieser Figur eingeräumt. 

Diese recht einfache Schachvariante mit vorwiegend gleichzeitigen Zügen ist gerechter aber trotzdem schon schwer zu spielen. Jeder Spieler muss seinen Zug entscheiden, ohne den zugehörigen Zug des Gegners schon zu kennen. Beide Spieler wissen nicht, ob die gegnerische Figur, die mit ihrem Zug geschlagen werden soll, noch auf ihrem Platz stehen wird, wenn ihre Figur dort ankommt. Sie wissen auch nicht, ob das Feld, auf das ihre Figur zieht, durch eine gegnerische Figur auch besetzt wird. Es ist ein Spiel mit unvollständiger Information (Bayes-Theorie). 

(Gleichzeitige Aktionen mit unvollständiger Information sind auch eine realistischere Nachbildung militärischer Operationen durch dieses strategische Kampfspiel. Kriegerische Aktionen  laufen auch oft gleichzeitig ab und die Entscheidungen müssen auch ohne vollständige Informationen über bevorstehende Aktionen des Gegners gefällt werden. Der  Verteidiger reagiert nicht immer erst nach einem Angriff  des Gegners.

Die zusätzlichen Spielprobleme sind für beide Spieler gleich schwierig. Das ist gewollt und gerecht. Es bietet beiden Spielern neue Herausforderungen. Die existierende Eröffnungstheorie vom Normalschach ist nur noch begrenzt anwendbar und es wird von Anfang an viel kreatives Denken gefordert. Es sind auch viele überraschende Züge zu erwarten und die Anzahl der remis endenden Partien wird abnehmen. 

Dass das Spielen schwerer wird, ist starken Spielern durchaus recht; denn Normalschach ist schon weitgehend analysiert und starken Spielern soweit bekannt, dass die Eröffnungsphase beim Normalschach sehr auf hohe Theoriekenntnisse und Gedächtnisleistung basiert und kreatives Spielen erst später beginnt. Deshalb ist das Spiel mit gleichzeitigen Zügen eine zeitgemäße und sinnvolle Ergänzung der schon existierenden Schachvarianten. Man kann damit rechnen, dass sich nach ausgiebiger Erprobung, Kompromissfindung und Optimierung, eine sinnvolle Spielvariante durchsetzen wird.

 

Testspiele

Die ersten Erprobungen der Ideen zu dieser Schachvariante wurden 2016 unter dem Arbeitstitel „Fairschach“ mit dem Schachfreund Rainer Otto aus Elgersburg durchgeführt und sie wurden 2018 mit den ehemaligen Schulkameraden, dem internationalen Fernschachmeister Hagen Tiemann aus Templin und dem Schachfreund Dr. Ulrich Block aus Friedelsheim im Fernschachmodus fortgesetzt. Dabei fungierte ich als Spielbetreuer, der die Züge zur jeweiligen Spielstellung durch Emails von beiden  Spielern geliefert bekam. Nach Eingang beider Züge wurden diese von mir in die Spielstellung eingearbeitet und die Spieler wurden mit zeitgleichen Emails über die eingegangenen Züge und die neue Spielstellung informiert. Diese Spielweise bietet sich an, solange Testerfahrungen gesammelt werden und über Auslegungen und sinnvolle Änderungen der Spielregeln diskutiert wird. Sie lässt sich auch auf Fernschachturniere übertragen.

Für die mit ihnen geführten Diskussionen der Spielregeln und für die durchgeführten Tests danke ich den Schachfreunden Rainer, Hagen und Ulli, die inzwischen nun leider schon verstorben sind. 

Die Entwicklung dieser Spielvariante ist mit diesem Bericht noch nicht abgeschlossen, zumal die Regeln für die Einführungsphase immer wieder vereinfacht wurden.  Sie wurden  mehrfach überarbeitet und sind auch jetzt noch nicht „in Stein gemeißelt“. Sie sind als Vorschlag und Diskussionsgrundlage zu betrachten und sie können auch, wenn gewünscht, schwieriger gestaltet werden. Für Diskussionen und zweckdienliche Hinweise steht meine Emailadresse im Impressum. 

Für die Hilfe bei der Arbeit zur Veröffentlichung mit den notwendigen Korrekturen und Ergänzungen im Internet bedanke ich mich bei meinem Sohn Uwe aus Ilmenau, der auch weiterhin die Diskussionen übers Internet unterstützen wird.

 

Schlussbemerkung

Das Ziel, mit gleichzeitigen Zügen den Nachteil von Schwarz beim Normalschach zu beheben, ist nach der Eröffnungsphase der Partie schon weitgehend erreicht. Da die Probleme bei der Behandlung von Sonderfällen, insbesondere in Endspielen, durch die Zunahme der Schachgebote zunehmen, wird den Einsteigern beim Spielen dieser Schachvariante empfohlen, wenn sie eine Erholung nötig haben  oder wenn nur noch wenige Figuren auf dem Schachbrett stehen, beim nächsten Schachgebot auf Normalschach umzuschalten und die Partie in gewohnter leichterer Form zu Ende zu spielen.  Wenn dabei zufällig Schwarz im Schach steht und deshalb als erster ziehen muss, ist das auch in Ordnung und im Spielprotokoll wird für den üblicherweise erwarteten weißen Figurenzug ein Strich gezogen. 

Damit schließe ich meine dritte und sicher auch letzte Überarbeitung dieses Themas.

Ich wünsche allen interessierten Schachfreunden viel Spaß beim Testen dieser fairen Schachvariante.

 

Literatur:

/1/ https://www.google.com/search?q=CHESS960

/2/ https://www.schach-bremen.de/varianten/marseille.hmtl   

/3/ PSC: Parrow‘s Synchronous Chess

/4/ http://www.hexenspiel.de/synchronschach/   

 

 

Die folgenden Spielregeln stehen für die einfache durchgängige Spielweise mit Paarzügen, die in Sonderfällen durch ein nutzbares Erstzugrecht für einen Spieler ergänzt werden, wenn sein König mit Schach bedroht ist, oder ein Bauer en passant schlagbar ist oder eine Figur wiederschlagbar ist, die soeben eine seiner Figuren geschlagen hat. Diese spezielle Variante des Fairschachs wird PaarZugSchach  (kurz: PZS)  genannt,

 

 

Spielregeln beim PaarZugSchach  (PZS)

 

PZSR 1: Die Schachvariante PaarZugSchach wird auf dem beim Normalschach üblichem Spielfeld mit den dort verwendeten Figuren und deren Zugrechten gespielt. Die Figuren beider Spieler werden gleichzeitig gezogen und sie wirken gleichberechtigt. In Sonderfällen werden Paarzüge mit Erstzugrecht für den mit Schach bedrohtem oder wiederschlagenden oder en passant schlagenden Spieler gespielt. Hat der Spieler einen anderen Figurenzug zwischengespeichert, entfällt das Erstzugrecht.

 

 PZSR 2: Jeder Spieler gibt seinen vorgesehenen Figurenzug zur aktuellen Spielstellung mit Angabe von Startfeld und Zielfeld in den ihm zugeordneten Zwischenspeicher ein und stoppt danach seine Uhr. Wenn beide Uhren gestoppt sind, werden beide Figurenzüge aus den Zwischenspeichern ausgelesen, beiden Spielern gleichzeitig angezeigt und als Paarzug von den Spielern gemeinsam in die Stellung auf dem Schachbrett eingearbeitet.

Die beiden Figuren starten dabei gleichzeitig von ihren Startfeldern und sie gelangen danach auch gleichzeitig und gleichberechtigt wirkend auf ihre Zielfelder. Wenn der Figurenzug eines Spielers nicht eindeutig lesbar oder nicht ausführbar ist, wird nur der Zug des anderen Spielers ausgeführt.

 

PZSR 3: Steht auf einem Zielfeld bereits eine gegnerische Figur, wird diese geschlagen.

 

PZSR 4: Ziehen in einem Paarzug zwei unterschiedlich starke Figuren auf dasselbe Zielfeld, schlägt die stärkere Figur die schwächere. Ziehen  zwei gleichstarke Figuren auf dasselbe Zielfeld, schlagen sie sich gegenseitig.  

Die hier geltende abnehmende Stärkeskala der Figuren ist: Dame, Turm, Leichtfigur, König, Bauer. Ein König darf nur mit einem geradeausziehenden Bauern des Gegners auf dasselbe Zielfeld ziehen und schlägt dort den Bauern. Die Leichtfiguren Läufer und Springer gelten hier als gleichstark.

 

PZSR 5: Ist der König eines Spielers mit einem Schachgebot bedroht, geben beide Spieler ihre vorgesehenen Figurenzüge in ihre Zwischenspeicher ein. Bei der Einarbeitung des Paarzuges wird dem mit Schach bedrohten Spieler zur Abwehr des Angriffs ein Erstzugrecht eingeräumt. Danach wird auch der Zug des Gegners ausgeführt. Ist der gespeicherte Figurenzug des Gegners nicht mehr ausführbar, darf er (bei laufender Uhr) einen anderen Zug wählen.

 

PZSR 6: Steht nach einem Paarzug ein König im Schach, wird mit einem weiteren Paarzug mit Erstzugrecht für den bedrohten Spieler weiter gespielt. 

 

PZSR 7:  Nach der Einarbeitung des Paarzugs startet jeder Spieler die Uhr des Gegners erneut. 

 

PZSR 8: Es gelten die Sieg- und Remisregeln vom Normalschach. Zusätzlich endet die Partie remis, wenn beide Könige in einem Paarzug auf benachbarte Felder ziehen.

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

Kontakt:

Prof. Dr. Werner Zühlke

Auf der Heide 4
99331 Geratal

 

werner.zuehlke@gmx.de

 

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